Gleichmut

In unserem Alltag nehmen wir die Welt selten „nackt“ wahr. Jedes Objekt, das wir sehen oder hören, löst eine sofortige emotionale Färbung aus. Diese Färbung ist die affektive Resonanz.

Meditation schult den Geist darin, Gefühle (wie Groll oder Angst) nicht als zwingende Handlungsaufforderungen zu betrachten, sondern als objektive Information oder „Daten“. Indem man eine „kritische Distanz“ zu diesen Empfindungen gewinnt, hört man auf, sie unreflektiert auf die Außenwelt zu projizieren.

Wenn man beispielsweise ein Geräusch (wie eine Kreissäge) achtsam ohne die übliche Ablehnung beobachtet, entzieht man ihm das allgemeine Bild oder die „Essenz“ des Unangenehmen. Das Geräusch wird zu reinen Sinnesdaten ohne die schmerzhafte emotionale Aufladung.

Durch das bloße Beobachten (Monitoring) ohne Eingreifen erkennt man, dass das Geräusch an sich völlig neutral ist. Es sind lediglich Luftdruckschwankungen. Das „Unangenehme“ ist keine Eigenschaft der Kreissäge, sondern eine Reaktion meines eigenen Geistes.

Im buddhistischen Kontext ist Gleichmut weit mehr als bloße Gleichgültigkeit; es ist ein Zustand stabiler geistiger Ruhe und Wohlbefinden.

Die Schulung in Gleichmut fungiert als ein entscheidendes Werkzeug, um die oft verzerrte Einteilung der Welt in Freund und Feind zu überwinden.

Evolutionsbiologen vertreten die Ansicht, wir wären scheinbar darauf programmiert, Menschen feste „Essenzen“, oder ein „allgemeines Bild“ zuzuschreiben: Verbündete erhalten eine „Essenz des Guten“, während Rivalen oder Fremde eine „Essenz des Bösen“ (oder des Feindlichen) erhalten. Menschen tendieren demnach, Essenzen stabil zu halten (z. B. „der Feind“ bleibt „böse“), indem sie Informationen filtern. Achtsamkeitsmeditation ermöglicht es, diesen Filter zu umgehen.

Ohne diesen emotionalen Filter können wir die Person hinter unserem allgemeinen Bild wahrheitsgemäßer und mit Mitgefühl sehen.

Erst wenn wir unser emotionales Etikett nicht mehr mit Vehemenz an andere kleben, können wir dies zwar noch wahrnehmen, haben jedoch die Freiheit andere frei davon zu sehen.

In der Tradition der 7-fachen Ursache, als unsere Mütter zum Beispiel.


Hier eine Übersicht dazu passender Gedichte.

  • Suralin

    Schauspielgleich erscheinen mir der Unterschiede viele,Und häufig da verlier ich mich inmitten von Gewühle.Und halte fest am Rollenbild, an Projektion […]

  • Türen

    Wenn ich dich seh, dann scheint mir dies ein Hologramm von mir.Es gleicht in seiner Art zu Sein vielmehr wohl […]

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